☰ Menu

Erbrecht

Hier möchten wir Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Punkten im Erbrecht geben (Stand Februar 2010). Mit Änderungen muss jederzeit gerechnet werden, da das Erbrecht dem bürgerlichen Recht unterliegt.

Vom 1. Januar 2010 an gilt das neue Erbrecht. So gehören Schenkungen in den letzten zehn Jahren vor dem Tod beispielsweise nicht mehr voll zum Erbe. Von 2010 an zählen nur Schenkungen im Jahr vor dem Tod voll zum Erbe („Abschmelzmodell“). Geschenke im zweiten Jahr fließen nur noch zu 90 Prozent ein, solche im dritten Jahr zu 80 Prozent. Schenkungen im elften Jahr vor dem Tod zählen schließlich gar nicht mehr. Folglich können Eltern durch Schenkungen sicherstellen, dass ihr Vermögen tatsächlich bei den gewünschten Familienmitgliedern landet.

Wichtig: die Vermögensübertragung muss juristisch als Geschenk eingestuft werden, ansonsten beginnt die Zehnjahresfrist nicht. Vorsicht ist geboten, wenn der Schenker sich zum Beispiel ein Nießbrauchsrecht vorbehält und dadurch weiter im verschenkten Haus wohnt oder Miete einfordern kann. Die Immobilie zählt in diesem Fall selbst Jahrzehnte später zum Nachlass. Bei Übertragungen an Ehegatten beginnt die Zehnjahresfrist generell nicht. Soll ein Geschenk (an ein Kind) vorzeitig von dessen späterem Erbanspruch abgegrenzt werden, muss dies vor oder bei der Schenkung angeordnet werden.

Geschwister, Neffen und Nichten zahlen mehr Steuern als Ehepartner und Kinder, wenn sie erben. Dies geht aus dem seit 1. Januar 2009 geltenden Gesetz zur Erbschaftssteuer hervor. Ehe- und Lebenspartner können demnach 500.000 Euro steuerfrei erben; für jedes Kind gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro. Durch Schenkungen lassen sich Steuerzahlungen vermeiden. Grundsätzlich ist der Freibetrag bei einer Schenkung genauso hoch wie bei einem Erbe.

Fehlt ein rechtsgültiges Testament, so regelt die gesetzliche Erbfolge die Verteilung des Vermögens des Verstorbenen. Diese unterteilt sich folgendermaßen:

Erben erster Ordnung: Kinder, Enkel, Urenkel, etc.

Erben zweiter Ordnung: Vater, Mutter, Schwester, Bruder, Neffe, Nichte, Großneffe etc.

Erben dritter Ordnung: Großvater, Großmutter, Onkel, Tante, Cousine etc.

Erben vierter Ordnung: Urgroßvater, Urgroßmutter, Großonkel etc.

Liegt ein Testament oder ein Erbvertrag vor, so bezieht sich die gesetzliche Erbfolge nur auf den Pflichtteil der den Angehörigen oder dem Lebenspartner zusteht. Dieser umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Beispiele für die gesetzliche Erbfolge

Verheiratet mit Kindern

Ohne ein gültiges Testament erben der Ehepartner und die Kinder. Nur gemeinsam als Erbengemeinschaft dürfen sie über das hinterlassene Vermögen bestimmen.

Ledig mit Kindern

Die Kinder sind vor allen Verwandten Erben des gesamten Nachlasses. Minderjährige Kinder erhalten einen Vormund (meist aus dem Verwandtenkreis), der vom Familiengericht bestimmt wird (in der Regel handelt es sich um den anderen Elternteil). Um Problemen vorzubeugen ist es ratsam, zu Lebzeiten einen Vormund festzulegen. Eine schriftliche Verfügung (mit Datum und Unterschrift) reicht aus oder der Vormund wird im Testament festgelegt.

Alleinstehend oder Lebensgemeinschaft

Nur die Eltern und Geschwister sind in diesem Fall erbberechtigt. Selbst wenn Verfügungen vorliegen, in denen sie übergangen werden, können sie ihre gesetzlichen Pflichtanteile geltend machen.

Geschieden

Vom Verstorbenen geschiedene Personen haben keinen Anspruch auf das Vermögen.

Die gesetzliche Erbfolge gilt nicht, wenn ein rechtsgültiges Testament vorliegt.